Unser Mitarbeiter Flo hat es nicht so mit "normalen" Urlauben. Seine unbändige Abenteuerlust, seine Begeisterung für Tierfotografie und sein Engagement für die Non-Profit Organisation Tigris Animal Protection führten ihn bereits an viele außergewöhnliche Orte. Ob Tauchen mit Orcas in den eisigen Fjorden Norwegens, die Suche nach Jaguaren im brasilianischen Pantanal oder Expeditionen in die letzten Wildnisgebiete Afrikas – ein paar Mal im Jahr schnappt sich Flo seinen Rucksack und seine Bushbox und ist dort unterwegs, wo Natur noch ursprünglich ist und seltene Tierarten in ihrem natürlichen Lebensraum beobachtet werden können. In dieser Reihe berichtet er von seinen Erlebnissen, gibt praktische Reisetipps und zeigt, warum sich manche Abenteuer mehr als jede Pauschalreise lohnen.
Der Gabun – Zwischen Gorillas, Mandrills und afrikanischem Abenteuer
Gabun zählt zu den am dünnsten besiedelten Ländern Afrikas. Rund 90 Prozent der Landesfläche sind von tropischem Regenwald bedeckt – einem der größten zusammenhängenden Waldgebiete des Kontinents. Mehr als ein Dutzend Nationalparks schützen diese einzigartige Natur, die Lebensraum für Waldelefanten, Gorillas, Schimpansen, Mandrills, Leoparden und unzählige weitere Tierarten bietet. Genau diese Kombination aus unberührter Wildnis und vergleichsweise wenigen Besuchern machte eine Expedition dorthin für mich so reizvoll.
Einreisechaos, Behördendschungel und weite Wege
Doch schon die Einreise zeigte, dass in Gabun nicht immer alles nach Plan läuft. Trotz gültiger Dokumente gab es längere Diskussionen mit den Behörden. Erst mit Unterstützung unseres lokalen Partners konnten wir schließlich einreisen – ein Vorgeschmack auf die Geduld, die man in Zentralafrika immer wieder braucht.
Angekommen in der trubeligen Hauptstadt Libreville, führte unsere Reise direkt weiter in Richtung Nationalparks Moukalaba-Doudou und Lopé, wo wir gemeinsam mit lokalen Rangern auf die Suche nach einigen der faszinierendsten Tiere des Kontinents machen wollten. Fast neun Stunden holperten wir über sandige Pisten, bis wir schließlich unser Camp in Tchibanga im Süden des Gabun erreichten. Zeit für eine kleine Verschnaufpause, etwas Schlaf und ein kleines Bushbox Barbecue mit den Locals.
Vor Ort wurde unsere Geduld erneut auf die Probe gestellt. Trotz jahrelanger Vorbereitung dieser Reise ticken die Uhren in Afrika einfach anders. Organisatorische Herausforderungen und Missverständnisse bei Genehmigungen und Zahlungen verzögerten unseren Start in den Nationalpark um mehrere Stunden. Doch letztendlich konnten alle Probleme gelöst werden und die Expedition begann.
Auge in Auge mit den Silberrücken
Der Moukalaba-Doudou-Nationalpark im Südwesten Gabuns gehört zu den artenreichsten Schutzgebieten des Landes. Neben dichten Regenwäldern prägen Savannen, Flüsse und Lagunen die Landschaft. Gerade diese abwechslungsreichen Lebensräume machen den Park zu einem wichtigen Rückzugsgebiet für zahlreiche bedrohte Tierarten.
So war auch das erste Gorilla-Tracking sehr beeindruckend. Westliche Flachlandgorillas unterscheiden sich deutlich von ihren bekannteren Verwandten, den Berggorillas. Sie leben überwiegend im dichten Tieflandregenwald, sind deutlich scheuer und werden wesentlich seltener beobachtet. Weltweit gelten sie aufgrund von Lebensraumverlust, Wilderei und Krankheiten als stark gefährdet. Umso beeindruckender ist jede Begegnung mit diesen faszinierenden Menschenaffen. Da hier nur etwa 50 bis 60 Besucher pro Jahr unterwegs sind, reagierten die Gorillas erwartungsgemäß scheuer als viele andere habituierte Gorilla-Gruppen. Geduld war gefragt. Doch schon am zweiten Tracking-Tag wurden wir belohnt: Mehrere Tiere hielten sich länger an offenen Stellen auf und wir konnten sie sogar im Familienverband beobachten – intensive Momente, die lange in Erinnerung bleiben.

Im Rahmen unserer Reise erhielten wir auch spannende Einblicke in die Arbeit der Ranger und Forscher, die diese einzigartige Tierwelt seit vielen Jahren schützen. Besonders beeindruckend war die Geschichte der Gorillafamilie, die seit 2002 wissenschaftlich begleitet wird und deren heutiger Silberrücken einst selbst um die Führung der Gruppe kämpfte.

Auf den Spuren der farbenprächtigen Mandrills
Anschließend führte unsere Reise weiter Richtung Lopé-Nationalpark. Dieser gehört zum UNESCO-Welterbe und ist einer der bekanntesten Nationalparks Gabuns. Seine Besonderheit liegt im Übergang zwischen tropischem Regenwald und offenen Savannen. Dadurch entstehen ideale Lebensräume für zahlreiche Tierarten – zum Beispiel die Mandrills, deren Population hier zu den größten der Welt zählt und die wir auf unserer Expedition unbedingt gern sehen wollten.
Doch zunächst hieß es wieder lange fahren. Spontane Hotelwechsel und immer wieder Begegnungen mit der Realität Zentralafrikas – von Bushmeat-Verkäufern am Straßenrand bis zu unzähligen Kontrollposten – erinnerten uns wieder daran, wie abgelegen unser Reiseziel wirklich war.

Doch unsere Geduld zahlte sich erneut aus und wurde mit einem absoluten Highlight belohnt - der Sicht auf die beeindruckenden, farbenprächtigen Mandrills. Die nach den Menschenaffen größten Primaten der Welt leben hier noch völlig wild und sind kaum an Menschen gewöhnt. Das machte die Beobachtung anspruchsvoll: dichter Regenwald, ständig in Bewegung befindliche Tiere und nur kurze Sichtfenster. Beim zweiten Versuch gelang uns schließlich die Begegnung, auf die wir gehofft hatten – mehrere Mandrills überquerten an einer offenen Flussstelle den Weg und ermöglichten eindrucksvolle Beobachtungen sowie einige gelungene Fotos und Videos.

Mein Fazit zum Reiseland Gabun
Zwischen all den Tierbeobachtungen blieb auch Zeit für Begegnungen mit den Menschen Gabuns – auf lokalen Märkten, in kleinen Familienrestaurants oder bei Gesprächen mit unseren Guides. Gerade diese Mischung aus ursprünglicher Natur, spannenden Tierbeobachtungen und den kleinen wie großen Herausforderungen einer echten Expedition macht Gabun zu einem außergewöhnlichen Reiseziel.
Wer Komfort sucht, wird im Gabun enttäuscht. Wer jedoch Abenteuer, unberührte Regenwälder und seltene Tierarten erleben möchte, findet in Gabun eines der faszinierendsten Naturreiseziele Afrikas. Gerade weil vieles nicht perfekt organisiert ist, fühlt sich eine Reise dorthin noch wie eine echte Expedition an. Genau diese Ursprünglichkeit macht den besonderen Reiz des Landes aus – und sorgt dafür, dass jede Begegnung mit Mensch und Natur noch lange in Erinnerung bleibt.

0 Kommentare